Olivier Ploux
Social Media and Pollice Verso
Mein Poster ist eine Abwandlung des berühmten Gemäldes „Pollice Verso“ oder „Daumen runter“ des französischen Künstlers Jean-Léon Gérôme aus dem Jahr 1872. Die Kontroverse über die Realität des Daumen-nach-unten während der Gladiatorenzeit spielt keine Rolle, denn die Öffentlichkeit hat immer noch das Recht, ein Leben zu retten oder zu beenden…
Was für mich wichtig ist, ist, wie die Öffentlichkeit, anonyme Personen, das Recht haben können, eine unbekannte Person, die versucht, ihr Leben zu retten, mit dem Tod zu bestrafen. Wie können Menschen sich eine eigene Meinung über eine Situation bilden und entscheiden, wie sie enden oder weitergehen soll? Gladiatorenkampf ist ein Kampf aber vor allem eine Unterhaltung. Gladiatoren sind auf der Suche nach Möglichkeiten und Selbstdarstellung. Das Publikum macht sie berühmt oder nicht.
Wie seltsam ist unsere Zeit, die durch die sozialen Medien die gleichen Unterhaltungen mit denselben Brutalitäten zu wiederholen scheint. Hat sich das menschliche Wesen in zweitausend Jahren verändert?
Wir beobachten genau denselben Mechanismus in den sozialen Medien. Auf der einen Seite machen ein paar Leute unglaubliche Dinge, um berühmt zu werden, Geld zu verdienen und sich auf eine Art und Weise zu promoten. Auf der anderen Seite debattieren, reden, urteilen, beobachten, schauen und entscheiden unbekannte Menschen mit dem Daumen (oder der gängigen Social-Media-Sprache) jeden Inhalt, jeden Beitrag, jede Seite… jede Person zu mögen oder nicht zu mögen.
Wir haben gesehen, wie weit Menschen in sozialen Medien gehen können und welche Macht die Öffentlichkeit dort hat.
Ist Social Media die neue Arena für moderne Gladiatorenkämpfe?
Frankreich
2021
Sandra Loser
Rape
Nicht nur Indien sondern die ganze Welt wird täglich zum Tatort brutaler Vergewaltigungen.
Meine Arbeit fordert den Betrachter zum Nachdenken auf. Sie lässt ihm jedoch den Freiraum, sich eigene Vorstellungen über das Ausmaß der schwerwiegenden Verletzungen einer Vergewaltigung zu machen. Gleichzeitig wird mit den immer stärker werdenden Rottönen – am stärksten vom Wort “rape“ ausgehend – eine Wunde visualisiert, die irreparabel ist.
Schweiz
2013
Leonie Henze
Oh Happy Holidays
Die Digitalisierung hat unser Leben verändert – und auch die Art und Weise, wie wir miteinander kommunizieren. In manchen Momenten scheint es aber so, als würden unsere Handys uns das Leben erst so richtig umständlich machen. Dann gilt es: Kopf in die Vertikale und das Handy zurück in die Tasche.
Deutschland
2019
Marek Slipek
In der Warteschleife
Schnelles Internet ist in vielen ländlichen Regionen Deutschlands noch immer Wunschdenken. Das Land steht im Ruf, Innovation und Flexibilität mit übermäßiger Bürokratie zu hemmen. Einerseits gibt es Bedenken hinsichtlich Datensicherheit und Datenschutz, wenn es um digitale Lösungen geht. Anderseits fehlt es an geeigneten Instrumenten, um die Sicherheit von Bürgerdaten zu gewährleisten. Dabei wird digitale Bildung noch immer zu klein geschrieben. Wenn Deutschland sich als führende Wirtschaftsnation auch im digitalen Zeitalter behaupten möchte, muss es noch einiges tun.
Deutschland
2023
Dennis Fechner
Poster zur Steigerung der Wahlbeteiligung
Hauptbestandteil des Posters ist ein auffallend bunter Verlauf, welcher die Farben der Parteien enthält, die schon einmal in der Bundesregierung vertreten waren und wieder eine hohe Wahrscheinlichkeit hatten erneut in den Bundestag zu ziehen. Über diesem Verlauf ist das Wort „Wähl:“ zusehen, welches den Betrachter dazu auffordert wählen zu gehen und sich für eine der vielen Parteien zu entscheiden. Die Farbübergänge sollen außerdem die fließenden inhaltlichen Übergänge zwischen den Parteien darstellen, sowie die verschiedenen Parteiflügel mit ihren jeweiligen Ausrichtungen.
Deutschland
2018
Benedikt Wienerroither
Wütend auf…
Im Kontext der Gestaltung verweist das Poster auf mich selbst. Ich bin wütend auf mich selbst. Wütend, dass ich oft nicht wütender auf mich selbst bin. Im Kontext der Präsentation richtet sich diese Wut plötzlich auf dich. Ich bin wütend auf dich, weil du oftmals nicht wütend genug auf dich selbst bist. Und ich bin wahrscheinlich nun auch wütend auf dich, weil du das Konzept hinter diesem Poster möglicherweise nicht verstehst.
Wir richten unsere Wut immer nach außen und vergessen, wie heuchlerisch und unreflektiert wir dabei eigentlich sind. Es ist verdammt einfach, auf andere zu zeigen und seine Wut darauf auszurichten, anstatt auf sich selbst. Ironischerweise macht dieses Poster genau das.
Österreich
2025
Dominik Schumacher
Der Aufgeblasene
Gute Miene zum bösen Spiel.
Deutschland
2013
Vivien Staff
Die Leere kotzt mich an
Wohn- und Gewerbeflächen in Städten sind rar und teuer. Für eine nachhaltige Stadtentwicklung ist der Umgang mit Ressourcen essenziell, zu denen auch der Gebäudebestand zählt. Dieser verfügt nicht nur über einen gesellschaftlichen oder rationalen Wert, sondern stellt auch einen Raum für Möglichkeiten, für neue Ideen der Nutzung dar. Durch Einsatz, Engagement und aktives Handeln können neue attraktive Nutzungsstrukturen eröffnet werden.
Es muss ein größeres Bewusstsein für Leerstände in der Bevölkerung und der Stadt geschaffen werden. Das Poster soll auf die Problematik „Leerstand“ hinweisen und den Betrachter zum Nachdenken anregen. Mit dem Spruch „Die Leere kotzt mich an“ verleiht das Poster dem Leerstand einen persönlichen Ausdruck – er spricht mit uns. Er beklagt sich über seinen Zustand und fordert auf etwas daran zu ändern.
Deutschland
2019
Aurore Huberty
Schwebend zwischen Hoffnung und Verzweiflung
Dieses Plakat greift ein aktuelles und tragisches Thema auf: Migration. Es ist den Menschen gewidmet, die alles riskieren – die auf überfüllten Schlauchbooten über das Meer fliehen – auf der Suche nach einem besseren Leben. Eine Reise voller Hoffnung und Verzweiflung, die oft tödlich endet. Ich habe bunte Bojen dargestellt, als Zeichen von Hoffnung und Freude – doch sie täuschen: überladen, beschädigt, nicht für die gefährliche Reise gemacht. Die schwarzen Punkte stehen für die zahllosen Leben, die im Meer verloren gingen. Dieses Werk ist ihnen gewidmet.
Schweiz
2025
Lewin Harnisch
Essen Sie die Reichen
Während die Schere zwischen Arm und Reich immer größer wird, erlangen die reichsten Prozente der Weltbevölkerung zunehmend mehr Einfluss und Macht. Das äußert sich nicht nur in einem finanziellen Ungleichgewicht, sondern auf allen Ebenen des gesellschaftlichen Zusammenlebens.
Gegen diese Ungerechtigkeiten gehen – gerade in Zeiten, in denen Donald Trump als „mächtigster Mann der Welt“ gilt – immer mehr Menschen auf die Straße. Ein Ausdruck dieses Widerstands ist der Slogan „Eat The [Filthy] Rich“, der seit der Französischen Revolution für den Kampf gegen übermäßigen Reichtum und Kapitalismus steht.
Deutschland
2025
Elisabeth Articus
Ei klaut Daten
Datenklau im Internet.
Deutschland
2015
Laura Binkert & Samuel Bütler
Sexistmuss
Sex ist Muss. Für die meisten Menschen zählen körperliche Nähe und Zärtlichkeit zu den Grundbedürfnissen, vergleichbar mit Essen, Trinken oder Schlafen. Umso wichtiger also, dass sexuelle Beziehungen frei von Diskriminierung und Scham gelebt werden können.
Wir alle sollten die Möglichkeit haben, offen und selbstbestimmt über unsere Sexualität bestimmen und unsere individuellen Vorlieben ausleben zu können – immer vorausgesetzt, dass dies im Einvernehmen und mit Respekt gegenüber allen Beteiligten geschieht.
Sex ist Muss, aber ohne Sexismus.
Schweiz
2023
Max Hathaway
Debile Zeiten
Wutschnaubende Stiere verlangen nach roten Tüchern, und rote Tücher benötigen fachkundige Führung. Das Vieh will getrieben werden.
Schwache Sinne suchen Sinn im Irrsinn der Übervölkerung und der digitalen Gleichschaltung. Wer winselt, der bekommt eine dicke Zitze ins Maul gesteckt. Da kommt heiße Luft raus. Das muss reichen.
Deutschland
2016
Julia Dettki
Klarer Fall von Rassismus
Hautfarben sind nur Farbfelder, warum sollte man sich von diesen irritieren lassen oder sogar durch diese ausgrenzen oder feindlich werden. Wer entscheidet ab welchem Farbfeld jemand zu den guten, oder zu den schlechten gehört?
Es gilt die Trennung zu stoppen und die Farben zurück zusammen zu führen.
Deutschland
2014
Michelle Müntener
Poliertes Image
Das Plakat könnte entweder Unternehmen kritisieren, die mit scheinheiligen Versprechungen neue Zielgruppen ansprechen und ihr Markenimage verbessern wollen, oder es könnte eine tatsächliche Werbekampagne von Unternehmen XY darstellen, die sich an die Zielgruppe der „Klimakrieger“ richtet. Den schönen Worten aber Taten folgen zu lassen, ist nicht so wichtig, vor allem, wenn diese Worte bereits die gewünschte Wirkung erzielt haben.
Schweiz
2023
Jan Luzar
Presse
Die Medien versorgen uns täglich mit Informationen aus der ganzen Welt. Ob Flugzeugabsturz oder Brustvergrößerung, nichts bleibt unerwähnt. Aufgrund der immensen Menge an Informationen bleibt kaum mehr Zeit diese zu hinterfragen. Ist das wirklich geschehen? Ist das Bild echt? Von wem stammt der Beitrag? Wie ausführlich wurde recherchiert? Ist die Aussage richtig? Wir sollten nicht Alles ohne Weiteres glauben was uns die Medien vorsetzten.
Deutschland
2015
Ivan Tanús
Ich fürchte mich davor, wenn mein Vater heim kommt!
Mein Poster soll die Angst von Kindern vor dem Missbrauch durch die eigenen Väter darstellen. Das Poster entspricht dem Stiefel des Vaters, in dem Moment, in dem er heim kommt und gleichzeitig der Tür mit den ängstlichen Augen des Kindes.
Mexiko
2016
Christina Hermainski
Time For A Cahnge
In der heutigen Zeit, in der unsere Gesellschaft durch nationale und internationale Geschehnisse gespalten wird und rechtspopulistische und rückwärtsorientierte Parteien zuletzt immer erfolgreicher wurden, ist es umso wichtiger gemeinsam für eine Veränderung der aktuellen politischen Situation zu kämpfen!
Deutschland
2019
Yuese Chen
Love me, set me free
Do not make meticulous care to be their cage.
China
2012
Max Hathaway
Dummy
Mach was Du willst, nach mir die Sintflut, die anderen gehen mich nichts an.
Deutschland
2017
Till Kraschutzki
So wollte sie nicht enden
Keine von ihnen wollte das je. Gefangen in einem weitreichenden Netz skrupelloser geldgeiler Menschenhändler sind Schmerz und Angst tägliche Begleiter hunderttausender dieser Frauen weltweit – ihr Leben lang.
Deutschland
2016
Luís Veiga
kkkkk
Trump repräsentiert jegliche Art von Extremismus. Das steht über der Politik als Grundanstand an Menschlichkeit. Integrität, Treue, Ehre. Trump hat Arme, Latinos, Afroamerikaner, Asiaten, Immigranten und weitere Minderheiten diskreditiert und angegriffen. Er hat Menschen mit Behinderung öffentlich beleidigt. Er nennt Frauen „fette Schweine“, „Hunde“, „Schlampen“ und „widerliche Tiere“. Er rühmt sich damit „die Sache beim Namen zu nennen“, ohne zu erwähnen, worauf diese Vorurteile wirklich fußen.
Es ist sehr ernst: Das mächtigste Land der Welt hat einen Faschisten zum Präsidentschaftskandidat und Republikanischen Vertreter ernannt, der vielleicht nächster Präsident der Vereinigten Staaten wird. Mein Poster ist als Satire auf „kkk“ (Ku-Klux-Klan) zu verstehen, hier durch eine „Dunce Cap“ (Narrenkappe mit Eselsohren) dargestellt und der in der Internetsprache verwendeten „kkkkk“ für schallendes Gelächter.
Portugal
2016
Timo Meyer
Dumping tötet
Qualität hat ihren Preis. „Je billiger, desto besser“ entwertet Arbeit, Talent und gute Qualität der Produkte. Lebensmittel für ein paar Cent, ein T-Shirt für 5 und ein Logo-Design für 20 Euro – Verdrängungswettbewerb, Preisdumping (verbunden mit Lohndumping) tötet Qualität und Unternehmen.
Deutschland
2014
Fan Ou
Big Boss Day
Am 8. März ist der Internationale Tag der arbeitenden Frauen. Ein Tag der es einer jeden Frau erlaubt sich wie der Big Boss im Haus zu fühlen. Ich wollte mit diesem Plakat eine humorvolle Darstellung dafür finden, dass starke Frauen sich für Fortschritt einsetzen.
China
2017
Thomas Deser
Klare Worte
Ungeklärte Zahlungen von denen angeblich keiner etwas weiß. Die Fußballwelt wird überschattet von Korruptionsskandalen. Mein Plakat soll die Erklärungsnot der DFB-Funktionäre – durch eine Anspielung auf Franz Beckenbauers Redekunst – auf den Punkt bringen.
Deutschland
2016
Aleksandra Gołebiewska
Tschernobyl
Das Poster bezieht sich auf die Tschernobyl Katastrophe von 1986 und deutet auf negative Folgen der menschlichen Gesundheit hin.
Polen
2015
Márton Németh
Absurdität
Dieses Poster wurde von der Philosophie des Absurden inspiriert – der zwanghaften Suche nach einem Sinn, wo keiner existiert. Auf der verzweifelten Suche nach dem Ganzen wird die Realität in immer kleinere Teile zerlegt, bis nur noch ein Rauschen übrig ist. Je mehr wir versuchen, sie zu verstehen, desto unverständlicher wird sie. Und trotzdem versuchen wir es weiter.
Ungarn
2025
Tomaso Marcolla
Meinungsfreiheit
Jedes Individuum hat ein Recht auf freie Meinungsäußerung und Redefreiheit. Die Infor-
mationsfreiheit ist die größte Bedrohung für antidemokratische Regime und daher stehen Angriffe auf die freie Meinungsäußerung auf allen Kontinenten der Erde auf der Tagesordnung.
Ich habe die Darstellung des berühmten Computerspiels Pac-Man der 80er Jahre gewählt. Pac-Man besteht aus Patronenhülsen, verfolgt einen Bleistift, das Instrument der Schrift und Symbol der freien Meinungsäußerung, und versucht diesen zu fressen.
Italien
2015
Lorenz Grohmann
Landflucht
Die meisten deutschen Großstädte platzen aus allen Nähten, die Mieten steigen ins Absurde, viele Bewohner leiden unter der Enge und flüchten oft in die Natur. Währenddessen verwaisen ländliche Regionen langsam aber sicher: verlassene Ortschaften, alte Menschen und Perspektivlosigkeit bestimmen das Bild. Junge, motivierte Bewohner flüchten in die Städte – ein Teufelskreis.